fragmente

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November 2021

„What, do you imagine that I would take so much effort and so much joy in playing if I were not preparing a catacombs into which I can sally, in which I can move my fanfares, opening up subterranean passages, forcing it to go far from itself, finding overhangs that diminish and deform its itinerary, in which I can lose myself and appear at last to ears that I will never have to meet again. I am surely not the only one who plays in order to have no face. Don’t ask me who I am and don’t ask me to remain the same: leave it to our critics and our politicians to see that our papers are in order. (Excerpted from „American Things,“ a letter to Takeshi Fumimoto (cc: Dieter Bohlen), January 8, 1980)”

from: Brown, Don & Reynolds, Dan (2019): D = D Edited and compiled by Joe Foster and Bryan Eubanks. Sacred Realism Press: 257

The work of Dan Reynolds and Don Brown is inspiring me now since I first got ahold of this book in 2019. Challenging thoughts of playing, listening, form and social constellations within/beyond the sound/world.

Based on material I found on an old reel to reel reel I developed an audio installation (of course acousmatic, multichanneled to the max) in order to have no face. It contains fragments of distortion to several degrees. The composition “zuletzt erschien den Ohren oder: Gesicht zeigen” was played in several cultural institutions in Germany, China, Palestine, Israel, Qatar and Dubai under different titles and of course never with my name attached. A documentation in form of an audiomix is currently in preparation.

Mit Dank an die großzügige Unterstützung des Goethe Instituts. 

 

Linernotes, unveröffentlicht.

“Die Musik welche Tizia Zimmermann am Akkordeon und Pablo Lienhart am no inout mixer hier in der Aktionshalle der Roten Fabrik in Zürich geschaffen haben, erzeugen ein Bild jenseits der Ausgangspole und etwaig damit verbundener Assoziationen. Dass das Ganze dann noch von Lasse Marhaug gemischt und letztlich gemeistert wurde, ist der angemessene Feinschliff. 

In Begeisterungsstürme sich zu ergehen ist sonst mein Ding nicht, doch diese Musik rührt an der Substanz – oder mich an sie. An der Universität werden dass die beiden wohl so nicht gelernt haben, dabei kommen sie dort unter anderem her: Zimmermann studierte Klassik, Lienhard Jazz – am Saxophon. 

Es finden sich aber immer wieder Exzerpte und Anlehnungen an modern bis zeitgenössische Formspiele, so dass die Finanzierung durch den Popkredit der Stadt Zürich und der zwei ehrbaren Privatstiftungen Elisabeth Weber und c & a Kupper mehr als berechtigt ist. 

Zeitweise gelingt Zimmermann und Lienhard bei ihrer zweitägigen Fabrikwoche eine klangliche Symbiose, welche die Instrumente weit in den Hintergrund rücken und den Eindruck entstehen lassen, dass es sich hier um eine Klangskulptur „aus einem Guss“ handeln würde. Der Eindruck vom Guss darf dabei aber keinesfalls mit wohligem Gefallen verwechselt werden. Die Halle klingt – weit und scharf und wird in ihrer Resonanz von den beiden zum eigentlichen Klangkörper geformt. Bisweilen vermag das überraschend an orchestrale Regungen erinnern – bis der Bass einfällt und der Loop keine Sicherheit verspricht, sondern ein Forwärts bedeutet, welches sich in Fragilität übt.”  

Möbelhund, vergriffen. Meine Begriffsgeschichte. Postpromotion. (März 2021)

Sie begann beim selbstgebauten Möbelhund von Sven-Åke Johansson, Sommer 2019. Axel und ich verluden die alte Couch von Sven in einen seiner Kofferräume, Carina machte Fotos. Es war sehr heiß und dass der Zweisitzer in den Viersitzer passte war für mich ein Kunstgriff. 

Irgendwann vorher, Anfang 2018. Das 70 Kilo Möbel, ohne Hund. Auf Eis bei Shell, auch noch in Kreuzberg. Ich hatte es zu diesem Zeitpunkt bereits an einen Freund verkauft, der darauf ausschließlich Bach spielte. Bevor er nun aus Berlin nach Leipzig zog, lieh ich mir das Möbel von dem sogenannten Hegelstefan zurück. Er half mir dann auch beim Geschleppe. Der Bach und die zwei Alben die ich mit meiner alten Jazzkombo darauf eingespielt hatte wogen schwer. 

Fragment.

Verstreutes.

We had the greatest difficulty in explaining to people there there is no hidden, coded meaning in the music, within beyond the desire to play the truth. Often our assurances provoked incredulity and even disappointment. Some people apparently wanted more: they needed occult symbols, esoteric meanings. They were not accustomed to the poetics of the sound image. And we were disappointed in turn. Such was the reaction of the opposition party in the audience; as for our own colleagues, they launched an iniquitous attack on us, accusing us of insolence, of wanting to make music about ourselves. (Excerpted from “once your reputation’s done / you can live a life of fun,” a letter to Tim Bradley [translated by D. Reynolds], March 8, 1997)

Brown, Don & Reynolds, Dan (2019): D = D  Edited and compiled by Joe Foster and Bryan Eubanks. Sacred Realism Press: 32

These 7: „Deshalb ist Kunst kein Teil der Gesellschaft – keine soziale Praxis; denn die Teilnahme an einer sozialen Praxis hat die Struktur der Handlung, der Verwirklichung einer allgemeinen Form. Und deshalb sind wir in der Kunst, im Hervorbringen oder Erfahren der Kunst, keine Subjekte; denn ein Subjekt zu sein heißt, die Form einer sozialen Praxis zu verwirklichen. Die Kunst ist vielmehr das Feld einer Freiheit nicht im Sozialen, sondern vom Sozialen; genauer: der Freiheit vom Sozialen im Sozialen. Sobald das Ästhetische zu einer Produktivkraft im postdisziplinären Kapitalismus wird, ist es seiner Kraft beraubt; denn das Ästhetische ist aktiv und hat Effekte, aber es ist nicht produktiv. Ebenso wird das Ästhetische seiner Kraft beraubt, wenn es eine soziale Praxis sein soll, die sich gegen die entfesselte Produktivität des Kapitalismus ins Felde führen läß; das Ästhetische ist zwar befreiend und verändernd, aber es ist nicht praktisch – nicht ‘politisch’. (…) In der Kraft der Kunst geht es um unsere Kraft. Es geht um die Freiheit von der sozialen Gestalt der Subjektivität, sei sie produzierend oder praktisch, kapitalistisch oder kritisch. In der Kraft der Kunst geht es um unsere Freiheit.“

Menke, Christoph (2013): Die Kraft der Kunst. Berlin: Suhrkamp: 14

“Many of my colleagues use sound art to describe our kind of music. I’m always OK with that. But there is a logical consequence of that: music is over, music is not worth extending and challenging. Then there is a second consequence: any ordinary musical structure and idea can be saved by using sound as material. This is the same as the situation for sound installation: by using special materials the artist sets marketing key points prior to the idea taking shape. Perhaps you are using the signals from the earth’s magnetic fields at a holocaust site – but your composition is still a work of electroacoustic music! This use of symbolism is no different than that used by 19th century singer-songwriters.”

Jun, Yan (2018): Perhaps I’m (Not) A Sound Artist